Blog

Open-Source-Software für Onlinehändler

9.2.2024, 07:47

Im heutigen E-Commerce und dessen Schnelllebigkeit in Anbetracht der steigenden Erwartungen potenzieller Kunden hinsichtlich der Lieferung und Abwicklung ihrer Bestellungen als auch in der Internationalität und Vielfältigkeit des schnelllebigen E-Commerce sind Programme, welche durch ihre Beschaffenheit einen individuellen und innovativen Aufbaus des eigenen Onlineshops ermöglichen, ein wichtiges Instrument, um sich von der stetig wachsenden Konkurrenz abzuheben und auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Definition der Open-Source-Software (OSS):

Eine Open-Source-Software bezeichnet im Unterschied zu herkömmlichen Programmen eine Art von Programm, bei der jeder Nutzer durch den bereitgestellten Quellcode und anderer wichtiger Informationen die Möglichkeit hat, die Software in ihrer Beschaffenheit und Funktion zu verändern, anzupassen oder weiterzuentwickeln. Diese Möglichkeit wird durch den Urheber der Software festgehalten, und in der Regel werden keine Lizenzgebühren erhoben. Neben den kostenlosen Modellen existieren auch sogenannte Enterprise-Versionen, welche im Gegensatz zur kostenlosen Version umfangreichere Kundenbetreuungen sowie Supportfunktionen bieten, jedoch kostenpflichtig sind.

Eine Open-Source-Software stützt sich auf dezentrale und kollaborative Entwicklungsmethoden und wird meistens von Gruppierungen innerhalb der Community, und nicht etwa von spezifischen Unternehmen oder Einzelpersonen entwickelt. Dies trägt insbesondere zu einer zielgerichteten und effektiven Problemlösung bei, da jeder Nutzer eigene Daten und Probleme in den Entwicklungsprozess einbringen kann, und diese mithilfe des erforderlichen technischen Verständnisses einarbeiten kann oder diese Probleme in den zahlreichen Netzwerken der Open-Source-Community vorbringen kann. Hierbei wird eine effektive Lösung für bestehende Probleme erreicht, indem der vorhandene Quellcode gemeinschaftlich verändert wird.

Hierbei gibt es 10 wichtige Kriterien, welche laut der Open-Source-Initiative bei der Veränderung und Verbreitung einer Open-Source-Software beachten werden müssen, um den Grundgedanken der Open-Source-Software zu bewahren. Diese Kriterien beinhalten vor allem die Weitergabe des Quellcodes, sowie die Erlaubnis zur Modifikation und Weiterverteilung unter denselben Bedingungen wie bei der Originalsoftware. Die Lizenz darf keine Diskriminierung von Personen oder Gruppierungen zulassen und keinerlei Einschränkungen hinsichtlich des Einsatzes in bestimmten Bereichen vorgeben. Außerdem muss die Lizenz für alle jene, welche das Programm erhalten, gelten, ohne dass sie eine zusätzliche Lizenz ausführen müssen. Die Rechte an der Software dürfen nicht von einer bestimmten Softwareverteilung abhängen, und es dürfen keine Einschränkungen für andere Software gelten, die zusammen mit der lizenzierten Software verteilt wird. Schließlich darf die Lizenz nicht von einer bestimmten Technologie oder Benutzeroberflächenart abhängig sein.

Open-Source-Software im Vergleich zu herkömmlichen SaaS (Software-as-a-Service) Programmen:

Open-Source-Softwares (OSS) und Software-as-a-Service (SAAS) stellen zwei grundlegend unterschiedliche Ansätze für die Bereitstellung von Programmen dar.

SaaS-Plattformen werden zentralisiert über eine cloudbasierte Infrastruktur von einem Anbieter zur Verfügung gestellt und bieten somit keinen Zugriff auf den ursprünglichen Quellcode. Die Implementierung sowie Skalierung eines SaaS-Programms erfordern hierbei einen geringeren internen Aufwand der Ressourcen sowie technischem Verständnis bei der Implementierung in bereits vorhandene Unternehmensprozesse, da die Verwaltung und der Ausbau des Programms durch den Anbieter vollzogen werden. OSS-Programme jedoch erfordern insbesondere bei der Implementierung und Skalierbarkeit einen höheren Aufwand an Ressourcen, da diese dezentral auf dem eigenen Server installiert werden, und hierbei die Installation, Konfiguration sowie die Wartung und Anpassung durch den jeweiligen Onlinehändler selbst erfolgen. Hierbei ist ein gewisses technisches Fachwissen zur Pflege und Individualisierung der OSS-Programme notwendig, um deren Funktion und Sicherheit zu garantieren.

Für viele Einsteiger in den Onlinehandel bieten SaaS-Lösungen durch ihren cloudbasierten Aufbau und eine simple Bedienung zahlreiche Vorteile, um in kürzester Zeit ihren eigenen Onlineshop aufzubauen und zu verwalten. Hierbei stehen jedoch etwaige Individualisierungen und Anpassung nur begrenzt zur Verfügung, da diese oftmals nur wenige Layouts für die Gestaltung des Onlineshops sowie voreingestellte Tools zur Verwaltung der Liefer- und Bestellprozesse beinhalten.

Anwendungsbeispiele einer Open Source-Software im E-Commerce:

Zu den bekanntesten Open-Source-Lösungen im E-Commerce gehört WooCommerce. Dieses Open-Source-Plugin erlaubt es Nutzern, ihre WordPress Webseite in einen Onlineshop zu verwandeln und bietet laut diverser Statistiken eine der beliebtesten Open-Source-Lösungen zur Erstellung eines Onlineshops. Ein Bericht aus dem Jahr 2022 zeigt, dass das WooCommerce-Plugin seit seiner Erstellung bereits über 194 Millionen Downloads verzeichnete und mehr als 5 Millionen aktive Installationen im Bereich des E-Commerce aufwies. Diese Open-Source-Lösung ermöglicht es den Nutzern, eine unbegrenzte Anzahl von Produkten zu verwalten, einen passenden Blog für interessante Themen rund um ihre Produkte zu führen und zahlreiche weitere CMS-Erweiterungen zur Optimierung des Kundensupports, der Überwachung der Lagerbestände sowie der Implementierung und Anpassung von Versand- und Zahlungsoptionen zu nutzen. Dadurch können Onlineshops individuell gestaltet werden, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Im Jahr 2021 ergab eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom im Rahmen des Open-Source-Monitors unter deutschen Unternehmen, dass viele dieser Unternehmen Open-Source-Softwares in ihren Geschäftsprozessen bereits implementiert haben. Von den befragten mittelständischen Unternehmen mit 200 bis 500 Mitarbeitern gaben 81% an, eine OSS-Lösung in ihre Geschäftsprozesse implementiert zu haben, was einem Zuwachs von etwa 10% im Vergleich zur vorherigen Umfrage im Jahr 2019 entspricht. Auch bei Unternehmen mit 500 bis 1500 Mitarbeitern stieg die Nutzung von Open-Source-Programmen unter den Befragten auf 85%, was einer Steigerung von rund 7% entspricht.

Vor- und Nachteile bei der Nutzung einer Open-Source-Software im E-Commerce:

Die Nutzung einer OSS-Lösung im E-Commerce bietet neben einer hohen Kostenersparnis auch zahlreiche Vorteile in der Flexibilität des Aufbaus und der Gestaltung des eigenen Onlineshops, da hierbei durch die Veränderung und Anpassung des bereitgestellten Quellcodes die eigene Webseite individuell gestaltet und auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann. So können verschiedene Erweiterungen die Handhabung und Performance des Kundensupports oder der verwendeten Suchmaschine verbessern, Daten über Nutzeraktivitäten effektiv gesammelt und analysiert sowie Lagerbestände und Versandoptionen effizient kontrolliert und überwacht werten. Auch in Anbetracht der Sicherheit und des Datenschutzes bietet eine OSS-Lösung durch ihren dezentralen Aufbau zahlreiche Möglichkeiten, um die Sicherheit der Daten zu gewährleisten und das Kauferlebnis des Kunden zu verbessern. Etwaige Fehler oder Probleme bei der Nutzung und Implementierung einer OSS-Lösung können durch die große Community und die Einsicht in den verfügbaren Quellcode schnell gefunden und behoben werden. Weitere Verbesserungen bieten ein großes Potenzial an Innovation, da die Entwickler nicht an etwaige Firmenvorgaben gebunden sind.

Doch hierbei entstehen auch einige Herausforderungen, welche bei der Implementierung und Verwendung einer OSS-Lösung beachtet werden müssen. Die hauptsächlichen Herausforderungen bei der Nutzung einer Open-Source-Software bestehen in den komplexen Zusammenhängen und Funktionen, welche durch das technische Verständnis hinsichtlich der verwendeten Programmiersprachen aufgebracht werden muss, um die Gestaltung der eigenen Onlinepräsenz zu individualisieren und einen effizienten Ablauf der Unternehmensprozesse zu gewährleisten. Dies ist oftmals mit einem erheblichen Zeitaufwand verbunden und kann zusätzliche Hilfe durch externe Experten erfordern. Insbesondere die Skalierbarkeit einer OSS-Lösung kann hierbei zu großen Herausforderungen in der Durchführung und Umsetzung der benötigten Kapazitäten führen. Auch wenn sich die eigene Verwaltung der gesammelten Daten bezüglich der Sicherheit des Datenschutzes als nützlich erweist, kann die Offenlegung des Quellcodes nach einer Überarbeitung und Anpassung zu Risiken der Sicherheit führen, da hierbei etwaige Schwachstellen für jeden einsehbar offengelegt werden. Die Verwaltung von Updates und Upgrades kann sich auch hierbei als komplex erweisen, da Unternehmen sicherstellen müssen, dass ihre Open-Source-Software auf dem neuesten Stand ist, um Sicherheitslücken zu schließen und mit neuen Funktionen Schritt zu halten. Dies erfordert Zeit, Ressourcen und eine sorgfältige Planung, um sicherzustellen, dass Updates reibungslos durchgeführt werden können, ohne etwaige Betriebsabläufe negativ zu beeinflussen.

Fazit:

Die Nutzung einer OSS-Lösung im E-Commerce bietet ein hohes Maß an Individualität sowohl bei der Gestaltung der Webpräsenz als auch in der Verwaltung der unternehmenseigenen Prozesse und ermöglicht es somit, die eigenen Bedürfnisse eines Onlinehändlers umzusetzen und sich von der breiten Masse der vorhandenen Onlineshops abzuheben. Jedoch einstehen hierbei einige Herausforderungen, welche unter der Berücksichtigung wichtiger Faktoren über die Nutzung der eigenen OSS-Lösungen und deren Skalierbarkeit evaluiert und mit dem nötigen Aufwand zur Implementierung der einzelnen Funktionen berücksichtigt werden müssen.

 

teilen:

Kategorien